Die Lage in Europa scheint sich immer mehr zuzuspitzen. Der Völkerbund hat
eine Außenministerkonferenz einberufen und alle europäischen Großmächte
aufgefordert, unverzüglich Gespräche zu führen. In einschlägigen Kreisen wird schon
von vereinzelten Mobilmachungen berichtet. Ob es gelingt, einen Frieden in
Europa zu etablieren, oder stehen wir an der Schwelle eines beginnenden
Krieges?
Mercurio,04.03.1901:
Bulgarischer Herrscher sucht Zuflucht in Neapel
Am gestrigen Abend legte ein Schiff mit einem ganz besonderen Gast an Bord
im Hafen Neapels an. Seine Majestät, der bulgarische König persönlich,
betrat italienischen Boden und bat offiziell um Asyl. Vor Kurzem hatte er Sofia
fluchtartig verlassen müssen, als sich die schnelle Niederlage der bulgarischen
Armee gegenüber den osmanischen Streitkräften, die das Land überraschend
überfallen hatten abzeichnete.
Heute Morgen hielt der bul.König vor dem Rathaus Neapels eine
leidenschaftliche Rede. Er erinnerte an die großen Opfer, die es die Völker des Balkans
gekostet hat, die jahrhunderte lange Unterdrückung der türkischen Besatzer
abzuschütteln. Er warnte davor, dies nun durch nichtige Gebietsstreitigkeiten
aufs Spiel zu setzen.
Er appellierte an Russland, das in der Geschichte schon häufig eine
Beschützerrolle für die slawische Bevölkerung des Balkans übernommen hat, und Italien
sich für ein freies Bulgarien stark zu machen und seine geplante
Exilregierung zu unterstützen.
In Rom hält man sich derweil bedeckt. Man verstehe das Ansinnen des Königs
und würde sich freuen ihn bis auf weiteres als Gast willkommen zu heißen, ein
militärisches Vorgehen gegen die osmanische Okkupation Bulgariens wäre
derzeit allerdings nicht möglich, da die Grenzstreitigkeiten mit Frankreich nach
dessen Grenzübertritt bei Piemonts# und der standrechtlichen Erschiessung von
19 Zollbeamten durch französische Truppen immer mehr zu eskalieren drohe.
Kritische Stimmenn unterstellten der Regierung, dass diese einzig um ihre
wirtschaftlichen Interessen in Kleinasien besorgt sei und ihre Gewinne aus dem
Erntemaschienen- und Dattelhandel mit dem Osmanischen Reich höher bewerte,
als dass Wohl der 8 Millionen Bulgaren, die nun unter dem unchristlichen und
verbrecherischen Treiben der osmanischen Söldner zu leiden hätten...
Tunesien protestiert
Der tunesische Botschafter hat offiziellen Protest gegen den Aufenthalt
italienischer Schiffe in tunesischen Hoheitsgewässern eingelegt. Am 07.02.1901
hatte eine Flotte unter der Führung des Schlachtschiffes "Genua" und des
Panzerkreuzers "Kaiser Nero" Neapel verlassen. Der Verteidigungsminister Mario
Piccino betonte noch einmal, dass diese Schiffe sich lediglich zur Bekämpfung des
Schmuggels dort befänden.
Doch soll, unbestätigten Gerüchten zu Folge, der Kapitän der Kaiser Nero
kurz vor der Abfahrt behauptet haben , nun werde man in "diesem gesetzlosen
Gaunerstaat" endlich einmal "Ordnung schaffen"...
Schlagzeilen
+++ englische Flotte im Ärmelkanal +++ Russisches Schlachtschiff im
Bottnischen Meer gesichtet +++ Türkei auf dem Vormarsch nach Sevastopol +++ Franzosen
bedrohen Venedig +++
+++ Deutsche Truppen haben Dänemark eingenommen +++ Der Kaiser von
Österreich entsendet Truppen nach Serbien und Albanien
Konstantinopel
Die Lage auf dem Kontinet ist kritisch, eine friedliche Beilegung der
Konflikte sieht das türkische Ministerium für Information als nicht mehr möglich
an.
"Wir werden nicht zusehen, wie Österreich sich auf dem Balkan breit macht"
so der Oberste Befehlshaber "ich habe mit dem Sultan gesprochen und wir sind
uns einig darüber geworden, Truppen nach Bulgarien zu schicken" Auf die Frage,
ob er auch Gefahr aus dem Norden, nämlich Russland sehe, sagte er weiter:
"Dem Zar ist nicht zu trauen, er hat uns zwar ein attraktives Friedensangebot
gemacht, aber wir hielten es für sicherer ein Schiff ins Schwarze Meer zu
schicken"
Le Figaro
Rom - Damit hat unser König nicht gerechnet. Der französische Präsident hat
unsere Vereinbarungen über Piemont als entmillitarisierte Zone missachtet und
hat eine Armee italienisches Gebiet beordert. Die Einwohner der Region
Piemont wandten sich mit der Bitte an ihren König, er möge etwas gegen diese
Hugenotteninvasion unternehmen. Die Truppen sind hochmotiviert gegen Frankreich in
den Kampf zu ziehen. Wenn der franz Präsident nach den noch vor Ostern
geplanten Gesprächen nicht bereit ist, seine Truppen zurück zu ziehen, so werden
alle möglichen Reserven aufgebracht, der französichen Gefahr Herr zu werden.
viva italia!
Deutsche Allgemeine Zeitung
Unser Kaiser hat sowohl mit Frankreich als auch mit Russland erfolgreiche
Gespräche führen können und sieht die deutschen Ostgrenzen als nicht gefährdet
an. Zusammen mit seiner Hoheit dem Kaiser von Österreich und König von Ungarn
plant er schon bald ein Treffen mit dem König von England, um über die Lage
in der Nordsee zu verhandeln. Die nordfriesische Bevölkerung ist beunruhigt,
doch der Kaiser sieht dem gelassen entgegen und betrachtet auch die Flotten
vor der eigenen Küste als lächerlichen Ausdruck eines verzweifelten
Inselstaates ein Wörtchen auf dem europäischen Kontinent mitreden zu wollen. "Wir
lassen uns davon nicht beeindrucken!" waren seine Worte. Zur Zeit befindet sich
seine kaiserliche Hoheit auf seinem Schloss in Berlin und es werden
Vorbereitungen für einen wichtigen Staatsempfang getroffen. Wer das sein wird, ist zur
Zeit noch Verschlusssache.